FARBENFROH GEGEN CORONA von K. Pfauter

Von K.P. (der Name ist der Polizei bekannt)

Der Autor dieser Zeilen hat das Rentenalter schon längst erreicht, er aber kann nicht einfach die Hände in den Schoß legen und die Früchte seines langen Berufslebens genießen. Da ist nämlich nicht viel. Kaum Früchte. Die verzehrte er stets sofort. Er lebte, wie man so sagt, von der Hand in den Mund.

Und nun wurde aber in Holzwickede eine Wettbewerb um die schönste Corona-Kurzgeschichte ausgeschrieben und K.P. erkannte darin eine wunderbare Gelegenheit an einen dicken Batzen Kohle zu gelangen.

Unser Held hat viel erlebt und könnte Bücher darüber verfassen, nicht nur Kurzgeschichten.

K.P. ist Saisonarbeiter, frei und selbständig. Er nutzt die „Dunkle Jahreszeit“, ist also quasi „nachaktiv“, entsprechend mit unentbehrlichen Artefakten ausreichend ausgerüstet.

Er verfügt über einen praktischen Overall, hat eine Menge Werkzeut, einen 120 Liter Rucksack und, die traditionelle Berufsethik verlangt das, eine MASKE! Alles durchweg in dezenten Schwarz, Anthrazit, oder auch gelegentlich graumeliert. Alles gut, bis auf die Probleme mit der Gesichtsmaske. Sie dient eigentlich dafür, die Anonymität ihres Benutzers zu wahren. Doch trat er, wohlgemerkt v o r der Corona-Krise, nach draußen mit einer Maske im Antlitz, so fiel er sofort auf. Um das zu verhindern, legte Klaus seine Maske immer erst kurz vor dem geplanten Zugriff an.
Oder er arbeitete eben nachts, ohne Maske.

Zutiefst gerührt denkt K.P. bisweilen an seinen fürsorglichen Papa, wie er sanft mahnte: “Bub, suche dir eine leichte Arbeit. Als Schwerstarbeiter kannst du kaum reich werden., höchstens aber krank!“ Wahrhaftig, vermögend ist Pfauter nie geworden, krank aber auch nicht.

Im Frühjahr des Jahres 2020 brach über uns plötzlich die tückische Coronakatastrophe ein.

Schneller als die Ärzte und Politiker bemächtigten sich diverse Modeschöpfer der Gelegenheit die Welt zu retten. Gesichtsmasken wurden in windeseile zum wichtigsten Accessoires der Saison. So boten sich dem verdeckt arbeitenden K.P. und seinen Kumpeln unerwartete Möglichkeiten. Plötzlich gehörte nicht mehr viel Mut dazu den Beruf maskiert auszuüben, sogar am hellichten Tage. Freilich muss nun der Mann Overall, Rucksack und die Maske der Modediktatur unterwerfen. Frische Pastellfarben sind gefragt. Kein Problem für unseren Helden K.P.. Beispielsweise entwendete er seiner Gattin das geblümte Bikinihöschen für eine schicke Gesichtsmaske. Auf der Straße fiel er damit überhaupt nicht auf, was wir zunächst kaum glauben wollten. So macht ihm die Arbeit wieder Spaß.

Doch vernünftigerweise hat K.P. beschlossen, dass er nach der Corona-Krise, die sicher nicht ewig dauern kann, nun endliche in den verdienten Ruhestand überwechselt.