HEIßE TAGE von I. Grötsch

Es ist warm, eher heiß. Das Atmen fällt ihr schwer, ihr Körper ist feucht, kleine Schweißperlen rinnen über ihr Gesicht. Sie kann es fühlen. Alles ist verschwommen. Sie hört Stimmen, weit entfernt. Sie kann nicht sagen was gesprochen wird oder wer. Nur leises Flüstern ist zu hören. Sie kann die Stimmen nicht erkennen. Die Anstrengung lässt sie ins Dunkel gleiten.

Das Zimmer ist dunkel, nicht mehr so heiss. Die Stimmen sind weg, sie hört nur noch leises Rauschen und piepen. Tocktock piep tocktock piep. Ihr Mund ist trocken, sie versucht zu reden, um Wasser zu bitten. Aber ihre Stimme versagt. Sie gleitet zurück ins Dunkel.

Kühle fährt über ihr Gesicht. Mit einem feuchten Tuch streicht jemand über ihren heißen, klebrigen Körper. Das fühlt sich gut an. Eine leise Stimme flüstert zärtlich auf sie ein. Entfernt die feuchte, verschwitzte Kleidung, legt neue an. Das tut gut, strengt sie an. Sie gleitet ins Dunkel.

Stimmen werden laut. Sie öffnet die Augen. “Mama?“. Die Stimmen verstummen, jemand nimmt ihre Hand, streichelt ihr Gesicht. “Mama?“. Sie gleitet zurück ins Dunkel .

Wie lange ist sie schon hier? Das Zeitgefühl ist völlig weg, das macht ihr etwas Angst. Was ist passiert? Das Zimmer ist dunkel, nur durch die Tür scheint ein kleiner Lichtstrahl. Sie hört die Leute draußen reden. Sie gleitet zurück ins Dunkel.
Sie träumt, von ihren Eltern, Geschwistern, von dem Haus und dem sie lebt. Von Kindern und Tieren die sie kennt. Von einem Mann, groß und gut aussehend. Er nimmt sie an die Hand. Das ist ein schönes Gefühl. Wenn nur die Geräusche nicht wären, Tocktock piep Tocktock piep. Sie gleitet zurück ins Dunkel.

Jemand streichelt ihr Hand, flüstert auf sie ein, sie öffnet die Augen. Ein alter Mann sitzt an ihrem Bett. Ihre Blicke treffen sich. Sie versucht zu lächeln, Tränen füllen seine Augen, in denen sie Liebe und Sorge lesen kann. Sein Gesicht ist zur Hälfte von einer Maske verdeckt. Aber sie erinnert sich an diese Augen und gleitet zurück ins Dunkel.

Das erste an das sie denkt als sie wach wird, sind diese Augen. Sie öffnet ihre, sieht ihn neben ihrem Bett sitzen. Seine Maske ist verrutscht, jetzt kann sie sein Gesicht sehen. Sie sieht die Falten, das graue Haar. Sein Hemd ist schief geknöpft, das passiert ihm öfter. Sie lächelt, fühlt sich besser, ist etwas klarer, kann besser atmen. Er öffnet die Augen, sieht sie direkt an. “Meine Schöne“ er nimmt ihre Hand in seine. “Ich bin froh, dass du wieder da bist“