SALMANUS UND DER TEUFEL von G. Dinger

Als Salmanus auf einen Stock gestützt auf einer Wiese am Rand des Paradieses nach neuen Heilkräutern für die Menschen suchte, sah er jenseits des Zauns, welcher das Paradies vom Reich der Unterwelt trennte, den Teufel. Dieser führte ein Schuppentier an der Leine spazieren. Salmanus, der Schutzheilige der Menschen mit Atemnot, erfasste augenblicklich eine unbändige Wut. Er griff mit der freien Hand nach einem Stein und schleuderte ihn mit Wucht nach dem Tier, welches das Virus auf die Menschen übertragen hatte, verfehlte es aber knapp.
„Warum tut Ihr das?“, wollte der Teufel wissen.
„Das wisst Ihr ganz genau, fragt nicht so scheinheilig“, erwiderte der Heilige und ballte zornig die Faust.
Der Teufel hob das ob des Steinwurfs erschrockene Tier auf und legte es liebevoll an seine Brust.. „Ich wollte lediglich verhindern, dass die Menschen weiter meine Lieblingstiere verspeisen.“
„Wegen ein paar dieser hässlichen Kreaturen bringt Ihr die ganze Menscheit in Gefahr?“ Salmanus spie angewidert aus.
„Nun übertreibt mal nicht. Eigentlich tue ich den Menschen einen Gefallen. Die Sichel des Todes wütet doch nur unter den Alten und Vorerkrankten. Nehmen wir mal Deutschland ins Visier. Was haben die dort vor der Krise gejammert, dass die Wohnungen so knapp und deshalb teuer sind. Wenn Corona durch ist, stehen viele Wohnungen leer. Das Problem mit der Finanzierung der Renten wäre dann auch gelöst. Und obendrein können noch die Beiträge zur Krankenkasse gesenkt werden, weil die Kosten für die Vorerkrankten wegfallen. Was sagst du jetzt?“
Salmanus war einen Moment lang sprachlos. Dann fasste er sich wieder und hob drohend den Stock. „Euer Zynismus zeigt, das Ihr wahnsinnig seid.“ Er näherte er sich ein paar Schritte dem Zaun und schrie: „Seid verflucht für alle Zeiten!“
Der Teufel setzte das Schuppentier ab und lachte. „Echauffiert Euch nicht so, Heiliger Salmanus, mein Tun hat den Segen des Herrn.“ Der Teufel streichelte das Schuppentier und fuhr fort: „Er ist ebenfalls der Überzeugung, dass der Shutdown seiner Schöpfung gut tut. Der Energieverbrauch ist schon deutlich zurückgegangen und es wird wieder mehr gebetet. Und es ist gewiss kein Schaden, wenn die Menschen jetzt mehr auf Hygiene und Sauberkeit achten. Wer sich die Hände gründlich mit Seife wäscht, kann das Virus ganz einfach auswaschen.
Dass der Teufel log und behauptete, Gott sei mit der Verbreitung des Virus einverstanden, machte Salmanus noch wütender als er ohnehin war. Er trat nah an den Zaun heran. Eine Weile standen sie sich Auge in Auge gegenüber. Als Salmanus den Stock hob, um dem Teufel den Schädel einzuschlagen, nieste der ihn an und wandte sich von ihm ab. Im Gehen hörte ihn Salmanus noch rufen: „Ihr seid so dämlich, Salmanus, selbst die Menschen halten Abstand. Und nun geht in Quarantäne, bevor Ihr die Engel ansteckt.“